Editorial

Der ganz normale Wahnsinn. Man ist ihn gewöhnt und antwortet mit einem zynischen Blick auf den Alltag, mit schnellem Verwerfen von Optimismus angesichts von Protesten, mit innerlichem Schulterzucken: Schließlich ist es Kapitalismus, schließlich ist es Deutschland oder typisch Staat. Und dann gibt es doch vereinzelt Meldungen, die nicht ganz so leicht abzutun sind. Eine eiskalte, rassistische Mordserie, verübt von Nazis, die zum Teil seit der Bombe in Jena gesucht werden. Das ist so eine Nachricht, die doch stutzig macht.

Klar wissen wir, dass der VS keine Institution ist, die auch nur das geringste Sinnvolle gegen Nazis bewirkt, im Gegenteil: sie seit Jahren sogar aufbaut und finanziert. Aber dass all die stadt- und landbekannten Idioten und Idiotinnen miteinander frei vernetzt sind und sich im freien Netz unterstützen, so viel wissen sie. Das ist sicher. Nicht ganz so sicher ist man in der Bewertung dieser unsäglichen, gespielten Ignoranz. Parallel geben sich alle überrascht und geschockt, die, die immer wieder rechts mit links gleich setzen, die, die jahrelang denen, die vor Ort wirklich versuchen, den rechten Konsens zu durchbrechen, die Arbeit erschweren und die, die noch jede Antifa kriminalisieren. Die Morde seit 1990 waren ihnen nicht deutlich genug, die gewalttätigen Übergriffe auf Obdachlose, Punks, MigrantInnen und auf andere, die nicht ins deutsche Bild passen, waren es nicht, noch die Waffen, die auftauchten, wenn doch mal eine Nazibutze gerazzt wurde. Und spätestens an dieser Stelle hilft der Zynismus wieder, um dem Wahnsinn der Normalität zu begegnen und sich vor dem Verzweifeln an der Gesellschaft in der Gesellschaft zu bewahren. Wenn das nicht eine gekonnte Überleitung zum Schwerpunkt dieser Phase 2 ist, in dem wir nach der Bedeutung von Psychoanalyse für Gesellschaftskritik fragen. 

Are we human or are we dancers?

P.S. Wir entschuldigen uns für die verspätete Ausgabe. Phase 2.42 kommt püntklich im März.

Phase 2.