Editorial

Der März ist vorbei, die bayrischen Mitglieder der Deutschen Polizeigewerkschaft müssen das schöne Monatsblatt des Kalenders ihres Landesverbandes umblättern. Darauf zu sehen: Ein stereotyp überzeichneter Schwarzer mit Sprechblase: »Was heiß' hie' Ve'dunklungsgefah'…?!« Schon im Januar konnte in diversen Dienststellen über den Schwarzen der sogenannten Heiligen Drei Könige geschmunzelt werden, der, ganz nach deutscher Mülltrennungsverordnung, Kamelscheiße aufsammeln muss. Ja, da lacht das uniformierte Herz und freut sich schon auf die kommenden Schoten. Rassismus? Nein, der Chef des Landesverbandes konterte diesen Vorwurf mit Verweis auf üblichen Polizistenjargon« und außerdem sei der Kalender ja nur für den internen Gebrauch vorgesehen. Und wir dachten schon, es sei das offizielle Geschenk für die Hinterbliebenen der NSU-Morde.

Die Erklärung, in bestimmten Szenen herrsche nun einmal ein »anderer« Jargon, ist auch andernorts beliebt, beispielsweise in der ressentimentfreien Welt des Männer-Fußballs. Fans vom Dortmunder BVB brachten sich und alle anderen schon mal in Stimmung für die diesjährige Europameisterschaft. Sie breiteten beim Spiel gegen Werder ein riesiges Banner mit der Aufschrift »Lieber ’ne Gruppe in der Kritik als Lutschertum und Homofick« aus. Na klar, Jungs, alles nur ein szenetypischer Jargon für Toleranz und gegen Diskriminierung im Stadion. Wie gut, dass man der wunderbaren Welt der Fußballsprüche und Kommentare auch durch Urlaub entfliehen kann. 

 Urlaubstage sind kostbares Gut für Arbeitnehmer_innen, Brücken- und Feiertage wollen geschickt genutzt werden, um möglichst viele arbeitsfreie Tage rauszuschlagen. Doch nicht alle denken so. Die Schweizer_innen lehnten per Volksentscheid die sogenannte Ferieninitiative der Gewerkschaften ab. Diese hätte die Zahl der Urlaubstage auf 30 erhöht, doch den Lohnarbeitenden bleiben zehn Urlaubstage mehr verwehrt. Zweidrittel der Stimmen sagten »Nein« zu sechs Wochen Hängematte. Regierung und Wirtschaftsverbände hatten zur Ablehnung aufgerufen unter anderem mit dem Slogan »Mehr Ferien = weniger Jobs«. Denn durch solch großzügigen Mindesturlaub würden Jobs in Niedriglohnländer abwandern, zum Beispiel nach Deutschland. Gar keine falsche Einschätzung. Denn bevor man sich über die Schweizer_innen zu sehr aufregt, sollte das nächste Referendum abgewartet werden. Der gesetzliche Mindestlohn steht zur Abstimmung. Die Gewerkschaften fordern 22 Franken, gute 18 Euro, pro Stunde als nötiges Minimum. Davon wiederum können die Leute in Deutschland nur träumen, die hiesigen Gewerkschaften fordern die unglaubliche Summe von 8,50 Euro. Klar, dass es da eines Volkspredigers bedarf, der von Freiheit als individueller Verantwortung sinniert und von sozialer Ungerechtigkeit schweigt. 

Ein letzter Tipp in eigener Sache: Demnächst wird die vollkommen überarbeitete Phase2 Seite gelauncht. Sehr schick, übersichtlich und nutzungsfreundlicher als die bisherige. 

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